Sprache als Schlüssel zum Erfolg

Martina Deucher, Deutschlehrkraft im BWHW Wiesbaden

Martina Deucher ist Deutschlehrkraft mit dem Schwerpunkt „Deutsch im Beruf“ und unterrichtet Auszubildende aus verschiedenen Branchen. Seit 2019 ist sie in Wirtschaft integriert tätig, begleitet junge Menschen während ihrer Ausbildung und unterstützt sie dabei, ihre sprachlichen Kompetenzen gezielt für den Berufsalltag zu entwickeln. Im Interview berichtet sie, wie die praxisnahe Vermittlung von Sprache gelingt, die sich direkt im Betrieb anwenden lässt.

In welchen Situationen und Formen spielt Sprache in der Ausbildung eine wichtige Rolle?

Sprache spielt in nahezu allen Bereichen der Ausbildung eine zentrale Rolle. Besonders deutlich wird das im Kundenkontakt – sei es im persönlichen Gespräch, am Telefon oder per E-Mail. Auch beim Schreiben von Berichtsheften, beim Lesen von Arbeitsanweisungen oder beim Ausfüllen von Formularen und Lieferscheinen sind sprachliche Kompetenzen gefragt. Hinzu kommt die Kommunikation im Team: Absprachen treffen, Rückfragen stellen oder Probleme schildern – all das erfordert Sicherheit im mündlichen und schriftlichen Ausdruck. Wer hier sprachlich gut aufgestellt ist, fühlt sich sicherer und wird auch als kompetent wahrgenommen.

Welche typischen Situationen im Betrieb führen bei Azubis oft zu Unsicherheiten oder Missverständnissen – und wie arbeiten Sie im Unterricht daran?

Häufig entstehen Unsicherheiten bei Telefonaten, spontanen Rückfragen oder wenn Fachbegriffe verwendet werden, die noch nicht vertraut sind. Auch indirekte Formulierungen oder umgangssprachliche Ausdrücke von Kolleginnen und Kollegen können irritieren. Im Unterricht greifen wir solche Situationen gezielt auf. Wir arbeiten mit Rollenspielen, analysieren typische Dialoge und klären Fachwortschatz im Kontext. Außerdem üben wir Formulierungen für Nachfragen wie: „Könnten Sie das bitte noch einmal erklären?“ oder „Habe ich Sie richtig verstanden, dass…?“ So lernen die Auszubildenden, aktiv mit Unsicherheiten umzugehen.

Welche einfachen Methoden helfen den Azubis, sich neue Fachbegriffe besser zu merken?

Wichtig ist zunächst, neue Vokabeln regelmäßig aufzuschreiben und möglichst ein eigenes Vokabelheft zu führen. Fachbegriffe sollten dabei immer im Kontext und mit Beispielen notiert werden, damit sie besser verstanden und behalten werden. Zum Lernen eignen sich Karteikarten sehr gut – entweder digitale oder selbst erstellte. Außerdem hilft es, Wortfelder zu erschließen und passende Synonyme zu finden. So wird der Wortschatz systematisch erweitert und gefestigt. Besonders beliebt sind bei den Teilnehmenden auch die Vokabelkartenspiele, die helfen, spielerisch und mit Spaß Fachwörter zu lernen. Ich empfehle außerdem, neue Begriffe direkt in Beispielsätzen zu verwenden, idealerweise aus dem eigenen Arbeitsalltag. Visualisierungen, Mindmaps oder das Erklären der Begriffe in eigenen Worten fördern ebenfalls das Verständnis. Besonders effektiv ist es, neue Wörter zeitnah im Betrieb bewusst anzuwenden – so werden sie schneller verinnerlicht.

Wie bereiten Sie die Azubis im Unterricht auf typische Gesprächssituationen im Betrieb vor?

Wir simulieren reale Situationen und spielen Szenarien nach - zum Beispiel ein Beratungsgespräch mit Kundinnen und Kunden, ein Telefonat mit einem Lieferanten oder ein Feedbackgespräch mit dem Ausbilder. Dabei achten wir auf die passenden Formulierungen, höfliche Ausdrucksweisen und klare Strukturen. Auch das Schreiben von beruflichen E-Mails üben wir anhand konkreter Beispiele. Wichtig ist, dass die Lernenden Sicherheit gewinnen und wissen, wie sie Gespräche beginnen, strukturieren und beenden können.

Welche drei Tipps haben Sie für Auszubildende, um im Ausbildungsalltag aktiv Sprechen zu üben?

Erstens: Trauen Sie sich, Fragen zu stellen – auch wenn Sie unsicher sind. Fragen zeigen Interesse und Lernbereitschaft. Zweitens: Nutzen Sie jede Gelegenheit zum Sprechen, zum Beispiel in Teambesprechungen, in den Pausen oder bei Kundengesprächen Wenn Sie Verständnis Probleme haben, fragen Sie nach und lassen Sie die unbekannten Ausdrücke erklären. Und Drittens: Reflektieren Sie Gespräche im Nachhinein: Was ist gut gelaufen? Wo habe ich neue Wörter gelernt? So entwickeln Sie Schritt für Schritt mehr Sicherheit. Diese drei Kerntipps – fragen, sprechen, reflektieren – helfen nach meiner Meinung beim Schritt-für-Schritt-Aufbau kompetenter Kommunikation“

 

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