Bahibelom, Maler und Lackierer

Im Flur von Wirtschaft integriert in Wiesbaden herrscht Aufregung. Das ganze Team wartet gespannt auf den Anruf der Kollegin, die den Azubi Bahibelom zur Kerschensteiner-Berufsschule in Wiesbaden bei der Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse begleitet. Es ist sein zweiter Versuch – und die Hoffnung ist groß. Dann klingelt das Telefon. „Er hat es geschafft!" Die Erleichterung und Freude sind spürbar, die gute Nachricht verbreitet sich sofort im Team. Kurz darauf erscheint ein strahlender Geselle und nimmt die Glückwünsche stolz und bewegt entgegen – während sein Handy kaum stillsteht: Freunde, Kollegen, sein Chef und seine Lehrerin melden sich mit Herzlichen Glückwünschen zur bestandenen Gesellenprüfung.

Bahibelom kommt aus Eritrea und lebt seit fünf Jahren in Deutschland – in der schönen Stadt Rüdesheim. Von Anfang an verfolgt er ein klares Ziel: „Ich wollte Maler und Lackierer werden. Das war für mich nicht einfach nur ein Beruf – das war mein Traum. Der Weg dorthin erfordert Geduld, Mut und die richtigen Unterstützerinnen und Unterstützer. Als Bahibelom nach Deutschland kommt, hat er zunächst keinen Schulabschluss. Er holt diesen in Geisenheim nach und lernt parallel Deutsch. Dort macht ihn eine Lehrerin auf das Projekt Wirtschaft integriert aufmerksam – ein entscheidender Wendepunkt.

Begleitung und Ausbildung – Schritt für Schritt ins Berufsleben

Über Wirtschaft integriert erhält Bahibelom zunächst sozialpädagogische Betreuung im Rahmen von ABplus. Diese Unterstützung hilft ihm, sich zu orientieren und Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Am 1. August 2022 beginnt er seine Ausbildung zum Maler und Lackierer bei der Firma Raul Barth GmbH in Rüdesheim. Wirtschaft integriert begleitet ihn dabei von Anfang an. Sein Berufsalltag ist abwechslungsreich und fordernd: Arbeitsbeginn ist um 6:30 Uhr. Im täglichen Teammeeting werden die Aufträge besprochen und die Teams eingeteilt, dann geht es mit Firmenwagen und Werkzeug zu den Einsatzorten. Zu Bahibeloms Aufgaben gehören die Beseitigung von Wasserschäden, das Verlegen von Böden, Streichen und Tapezieren, das Dämmen von Außenfassaden sowie das Mischen von Farben nach Kundenwunsch. „Besonders die praktischen Arbeiten machen mir große Freude. Und der Austausch mit den Kollegen in der Pause – das ist wichtig, um wirklich Teil des Teams zu sein."

Sprache als größte Herausforderung

Doch die Ausbildung bringt auch erhebliche Herausforderungen mit sich. Die größte Hürde ist die Sprache: das Verstehen von Alltagssprache, Fachbegriffen und Werkzeugbezeichnungen im Betrieb, aber auch das Lesen und Verstehen von Fachtexten in der Berufsschule. „Es war nicht immer einfach. Aber ich habe nicht aufgegeben." Einige Kolleginnen und Kollegen nehmen sich bewusst Zeit für ihn, erklären Arbeitsschritte Schritt für Schritt und zeigen ihm vieles praktisch. Sein Chef steht klar hinter ihm: Er fordert das gesamte Team auf, Bahibelom zu unterstützen, hilft ihm bei wichtigen Gesprächen und ermöglicht ihm eine regelmäßige Freistellung an Freitagen. Diese Zeit nutzt Bahibelom intensiv – für die pädagogische Betreuung durch Wirtschaft integriert, die Lernförderung beim Bildungswerk und die gezielte Vorbereitung auf die Berufsschule. „Schritt für Schritt wurde es besser. Mit jeder Herausforderung, die ich gemeistert habe, ist auch mein Selbstvertrauen gewachsen."

Am 30. Januar 2026 erreicht Bahibelom sein großes Ziel: Er besteht die Gesellenprüfung als Maler und Lackierer. Sein Ausbildungsbetrieb übernimmt ihn, und er blickt zuversichtlich auf die nächsten Schritte in seinem Berufsleben. „Dieser Abschluss bedeutet mir sehr viel – nicht nur als beruflicher Erfolg, sondern als persönlicher Meilenstein."

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