Rößner Maschinenbau GmbH
Alsfeld | Viele junge Menschen aus dem Ausland nutzen die Möglichkeiten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes, um eine Ausbildung in Deutschland zu beginnen. Der Schritt in ein neues Land eröffnet berufliche Chancen, bringt aber auch besondere Herausforderungen mit sich: Sprachbarrieren, bürokratische Prozesse, die Orientierung in einem ganz neuen Ausbildungs- und Lebensumfeld sowie der Aufbau sozialer Kontakte müssen gleichzeitig bewältigt werden. Die Rößner Maschinenbau GmbH in Alsfeld gab Mehdi S. eine Chance, als er sich aus Marokko für eine Ausbildung in dem Unternehmen bewarb. Dass sich diese Entscheidung als echter „Glücksgriff“ erwies, hätte Geschäftsführer Rößner zu Beginn jedoch nicht erwartet.
Als sich Mehdi S. aus Marokko bei Rößner Maschinenbau GmbH bewarb, war für den rund 60 Mitarbeitende zählenden Metallbaubetrieb zunächst nicht klar, ob eine Ausbildung über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz gelingen würde. Geschäftsführer Rößner war anfangs skeptisch – schließlich befand sich der potenzielle Azubi noch in Marokko. Doch Mehdi blieb am Ball: Per E-Mail und Videokonferenz hielt er den Kontakt, beantwortete Fragen und zeigte, wie ernst es ihm mit seiner Ausbildung zum Feinwerkmechaniker war. Diese Beharrlichkeit überzeugte Herrn Rößner so sehr, dass er sich bei der Ausländerbehörde über die Voraussetzungen für Mehdis Ausbildung erkundigte.
Verantwortung über die Ausbildung hinaus
Was mit einer mutigen Bewerbung begann, wurde von der Rößner Maschinenbau GmbH mit ebenso viel Engagement begleitet. Noch bevor Mehdi in Deutschland ankam, kümmerte sich der Betrieb um eine Wohnung. Am Tag der Ankunft holte Herr Rößner ihn persönlich am Flughafen ab – und gab ihm seine Telefonnummer, verbunden mit der Bitte, sich bei ernsten Schwierigkeiten jederzeit zu melden. Zum Glück musste Mehdi davon nie Gebrauch machen.
Auch im Arbeitsalltag setzte der Betrieb auf frühzeitige Unterstützung. „Im selben Jahrgang bildeten wir noch drei weitere Azubis aus, was Mehdis Einstieg in die Gruppe erleichterte. Ich führte regelmäßig Gespräche mit den Azubis – über die Ausbildung, aber auch über ihre persönliche Situation. Dadurch ist es gelungen, eine echte Vertrauensbasis aufzubauen. Arbeitsaufträge werden im Team gelöst. Dadurch war Mehdi stets im Kontakt mit seinen Kollegen. Seine Zuverlässigkeit hat ihm schnell zu Ansehen bei diesen verholfen, viele wollten ihn unbedingt in ihrer Schicht haben“, so Marcel Decher, Ausbildungsverantwortlicher bei Rößner Maschinenbau GmbH.
ABplus: Begleitung über den Unterricht hinaus
Bei allem organisatorischen Rückenwind blieb eine Hürde, die Mehdi selbst am meisten forderte: die deutsche Sprache. „Am Anfang war alles neu für mich“, erinnert er sich. „Die größte Herausforderung war das Verständnis der Fachbegriffe im Beruf.“ Besonders im ersten Ausbildungsjahr verlangte ihm das viel Fleiß ab. „Mit der Zeit wurde ich sicherer“, sagt er heute.
Geholfen hat ihm dabei Wirtschaft integriert. Mehdi nahm während seiner Ausbildung an der Ausbildungsbegleitung ABplus teil und hatte so eine feste Ansprechperson an seiner Seite. Neben der sprachlichen und fachlichen Unterstützung erhielt er auch Hilfe bei vielen organisatorischen und persönlichen Fragen, etwa bei der Beantragung der Berufsausbildungsbeihilfe, der Anerkennung seines marokkanischen Berufsabschlusses sowie beim Umgang mit Formularen und behördlichen Schreiben. Darüber lernte er bei projektübergreifenden Sommerfesten und Weihnachtsfeiern im BWHW andere Teilnehmende kennen und knüpfte Kontakte über die eigene Ausbildung hinaus.
Angekommen – beruflich und persönlich
Mittlerweile hat Mehdi seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Bei der Freisprechung und feierlichen Übergabe der Gesellenbriefe hielt Mehdi S. eine Ansprache an die Junggesellinnen und Junggesellen, in der er unter anderem über seinen Weg berichtete.

Geschäftsführer Rößner zieht ein klares Fazit: „Mehdi war ein echter ‚Glücksgriff‘ – seine Leistungen und sein Auftreten sind ein Gewinn für das ganze Unternehmen.“ Auch für Mehdi selbst hat sich seither viel verändert, nicht nur beruflich: „Privat habe ich neue Freunde gefunden und viele Menschen kennengelernt“, erzählt er. „Besonders geholfen haben mir meine Kollegen, meine Ausbilder und Wirtschaft integriert. Dadurch fühle ich mich heute in Deutschland zuhause.“
Drei Tipps für andere Betriebe
Aus der eigenen Erfahrung heraus gibt Marcel Decher anderen Betrieben, die über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ausbilden möchten, drei Empfehlungen mit auf den Weg:
1. Bedenken und Vorbehalte Stück für Stück abbauen – wichtig ist ein gutes Gefühl für den künftigen Azubi.
2. Sich der größeren Verantwortung bewusst sein: Die Fürsorgepflicht für Azubis, die neu ins Land kommen, reicht über die Grenzen des Betriebs hinaus
3. Sich frühzeitig Unterstützung holen – etwa durch die Ausländerbehörde, die IHK/HWK oder das Projekt Wirtschaft integriert, das mit Beratung und Begleitung maßgeblich zum Erfolg der Ausbildung beiträgt.
Mehdis Botschaft an andere
Sein Rat an alle, die neu nach Deutschland kommen und eine Ausbildung oder Arbeit beginnen, bringt Mehdi auf den Punkt: „Gebt nicht auf. Lernt Sie die Sprache, stellt Fragen und nutzt jede Unterstützung, die ihr bekommen könnt. Mit Geduld, Motivation und Fleiß kann man seine Ziele erreichen.“
Mehdi S. und Herr Rößner (Betriebsinhaber)
